Rosengedichte



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 Ein Röslein zog ich mir

Ein Röslein zog ich mir im Garten
Ich gab ihm hin mein ganzes Herz
Wie konnt ich doch so glücklich sein

Ein Röslein zog ich mir im Garten
Ein andrer hat es abgepflückt
Was mich erfreuet hat so sehr,
Ja, ich find es nun und nimmermehr


Gottfried Keller
 


 Dunkelrote Rosen bring ich

Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau!
Und was das bedeutet, wissen Sie genau!
Was mein Herz empfindet, sagen ich's nicht kann
Dunkelrote Rosen deuten zart es an !

Ein tiefverborg'ner Sinn liegt in den Blumen drin',
Gäb's nicht die Blumensprache, wo kämen Verliebte hin?
Fällt das Reden uns schwer, müssen Blumen her
Denn was man nicht zu sagen wagt, man durch die Blume sagt !

Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau !
Und was das bedeutet, wissen Sie genau !
Was mein Herz empfindet, sagen ich's nicht kann
Dunkelrote Rosen deuten zart es an!


Karl Millöcker
 


 Eine einsame Rose

Eine einsame Rose in müder Hand -
Und niemand, dem ich sie schenken kann...
In dessen züchtigen Busengewand
Ich ihr glühendes Rot versenken kann ...

Daß freundlich bei dem duftigen Pfand
Sein Herzchen meiner gedenken kann ...
Eine einsame Rose in müder Hand -
Und niemand, dem ich sie schenken kann


Christian Morgenstern
 


 Der Rose süßer Duft

Der Rose süßer Duft genügt,
man braucht sie nicht zu brechen.
Wer sich mit dem Duft begnügt,
den wird sie auch nicht stechen.

Mich wundert Rose, deine Güte,
dass sie sich mit dem Dorn verträgt,
du hast in sinnigem Gemüte
gewiss den Lauf der Welt erwägt.


Hafis
 


 Die Rose im Thal

Von Berg zum Thal das Waldhorn klang;
Im blühenden Thal das Mägdlein sang:
Von der Rose, der Rose im Thal!

Der Jäger hörte des Mägdlein Sang;
Seinem Waldhorn bei dem Lied verklang:
Von der Rose, der Rose im Thal!

Der Jäger dort oben lauschte so bang:
Als leise das Lied im Thal verklang:
Von der Rose, der Rose im Thal!

Er zog gar stille die Berge entlang,
Und immer im Ohre das Lied ihm klang:
Von der Rose, der Rose im Thal!


Heinrich Seidel
 


 Verwaiste Liebe

Ihr verblühet, süße Rosen,
Meine Liebe trug euch nicht;
Blühtet, ach, dem Hoffnungslosen,
Dem der Gram die Seele bricht!

Jener Tage denk' ich trauernd,
Als ich, Engel, an dir hing,
Auf das erste Knöspchen lauernd
Früh zu meinem Garten ging;

Alle Blüten, alle Früchte
Noch zu deinen Füßen trug,
Und vor deinem Angesichte
Hoffnung in dem Herzen schlug.

Ihr verblühet, süße Rosen,
Meine Liebe trug euch nicht;
Blühtet, ach, dem Hoffnungslosen,
Dem der Gram die Seele bricht!


Johann Wolfgang von Goethe
 


 Mein Röselein

Grüß Dich Gott, mein Röselein,
Schön und klein und sanft Du bist:
Wie sie so anmutig ist!

Röselein, gern seh' ich dich!
Bleib' so still und lieb und rein:
Bleib so ewig jung und mein!

Röslein mein, o denk' an mich!
Purpurrot und grün Dein Stiel:
Geist und Anmut hat sie viel!

Röslein, Dich, Dich liebe ich!
Zart drück' ich dich an den Mund:
Nehme Abschied, bleib' gesund!

Blättlein klein, o bleibet frisch,
Ihres Zweige dunkelgrün:
Ach, ich muß von dannen zieh'n!

Röslein, nein, es war nur Scherz:
Ewig, ewig bleib' ich Dein!
Ewig bleibst Du lieb und fein!

Röselein, o grüß' Dich Gott,
Schön und frisch und mein Du bist:
Voll mein Herz vor Freuden ist!


Friederike Kempner
 


 Hochzeitlied

Es stehn in unserm Garten
Der blühenden Rosen genug, –
Dir blüht, noch schöner als Rosen,
Ein Mägdlein so frisch und so jung.

Ich habe mit Fleiß gewählet
Die schönsten Rosen zum Strauß, –
Du küssest die rosigen Lippen
Und lachst am Ende mich aus.


Adalbert von Chamisso
 


 Rose wie bist du...

Rose, wie bist du reizend und mild!
Du bist der Unschuld liebliches Bild.
Rose, du trinkest himmlischen Tau,
schmückest den Busen, Garten und Au.

Du, die zur Gabe ich mir erkor,
lächelst aus Dornen freundlich hervor.
Sendest noch sterbend Düfte uns zu
Rose, du Holde!
Leben und sterben will ich wie du.


Johann Jakob Ihle

 


 Siehe die Rosen...

Siehe, die Rosen im Garten
Öffnen sich alle dem Licht

Seele, meine Seele
Zögere du nicht.


Matthias Claudius
 


 Welke Rosen

Weiße Rose, weiße Rosen,
Ach, wie blüht ihr doch so spät,
Längst zu küssen und zu kosen
Nimmermehr dies Herz versteht!

O wie stand es, o wie stand es
Anders in der Maienzeit,
Damals, damals wohl empfand es,
Liebe, deine Seligkeit.

Weiße Rosen, weiße Rosen,
Ach, wie blüht ihr doch so spät,
Längst zu küssen und zu kosen,
Nimmermehr dies Herz versteht.


Martin Greif (Friedrich Hermann Frey)
 


 Von dem Rosenbusch, o Mutter

Von dem Rosenbusch, o Mutter,
von den Rosen komm ich.
An den Ufern jenes Wassers
sah ich Rosen stehn und Knospen;
von den Rosen komm ich.

An den Ufern jenes Flusses
sah ich Rosen stehn in Blüte,
brach mit Seufzen mir die Rosen
Und am Rosenbusch, o Mutter,
einen Jüngling sah ich,
an den Ufern jenes Wassers
einen schlanken Jüngling sah ich,
einen Jüngling sah ich.

An den Ufern jenes Flusses
sucht nach Rosen auch der Jüngling,
viele Rosen pflückt er, viele Rosen.
und mit Lächeln brach die schönste er,
gab mit Seufzen mir die Rose.


Emanuel von Geibel
 


 Heideröslein

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden
War so schön und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah' s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach, Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach, ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich.
Und ich will's nicht leiden
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach s'
Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.


Johann Wolfgang von Goethe
 


 Die Rose

Es hat die Rose sich beklagt,
Daß gar zu schnell der Duft vergehe,
Den ihr der Lenz gegeben habe -

Da hab ich ihr zum Trost gesagt,
Daß er durch meine Lieder wehe
Und dort ein ewiges Leben habe.


Friedrich von Bodenstedt
 


 Columbine

Des Mondlichts bleiche Blüten,
Die weißen Wunderrosen,
Blühn in den Julinächten -
O brach ich eine nur!

Mein banges Leid zu lindern,
Such ich am dunklen Strome
Des Mondlichts bleiche Blüten,
Die weißen Wunderrosen.

Gestillt war all mein Sehnen,
Dürft ich so märchenheimlich,
So selig leis - entblättern
Auf deine brauenen Haare
Des Mondlichts bleiche Blüten!


Otto Erich Hartleben
 


 Der Rosengarten

Ich weiß ein Garten hübsch und fein,
da blüht ein rotes Röselein,
herum da ist ein Heckenzaun,
im Sommer grün, im Winter braun,

Und wer das Röslein brechen will,
muss kommen stumm, muß kommen still,
muss kommen bei der dustern Nacht,
wenn weder Mond noch Sternlein wacht.

Ich wollte meinem Glück vertraun,
stieg heimlich übern Gartenzaun;
das rote Röslein war geknickt,
ein andrer hatte es gepflückt.

Das Gärtchen ist nun kahl und leer,
das rote Röslein blüht nicht mehr;
betrübt muß ich von weitem stehn
und nach dem Rosengarten sehn.


Hermann Löns
 


 An meine Rose

Frohlocke, schöne junge Rose,
Dein Bild wird nicht verschwinden,
Wenn auch die Glut, die dauerlose,
Verweht in Abendwinden.

So süßer Duft, so helle Flamme
Kann nicht für irdisch gelten;
Du prangst am stolzen Rosenstamme,
Verpflanzt aus andern Welten;

O weilten wir in jenen Lüften,
Wo keine Schranke wehrte,
Dass ich mit deinen Zauberdüften
Die Ewigkeiten nährte! –

Doch hat, du holde Wunderblume,
Mein Herz voll süßen Bebens
Dich mir gemalt zum Eigentume
Ins Tiefste meines Lebens.


Nikolaus Lenau
 


 Von dem Rosenbusch, o Mutter

Von dem Rosenbusch, o Mutter,
von den Rosen komm ich.
An den Ufern jenes Wassers
sah ich Rosen stehn und Knospen;
von den Rosen komm ich.
An den Ufern jenes Flusses
sah ich Rosen stehn in Blüte,
brach mit Seufzen mir die Rosen

Und am Rosenbusch, o Mutter,
einen Jüngling sah ich,
an den Ufern jenes Wassers
einen schlanken Jüngling sah ich,
einen Jüngling sah ich.
An den Ufern jenes Flusses
sucht nach Rosen auch der Jüngling,
viele Rosen pflückt er, viele Rosen.
und mit Lächeln brach die schönste er,
gab mit Seufzen mir die Rose.


Emanuel von Geibel
 


 Liebesgarten

Die Liebe ist ein Rosenstrauch.
Wo blüht er, wo blüht er?
Ei nun, in unserm Garten,
Darin wir zwei, mein Lieb und ich,
getreulich seiner warten,

Wofür er uns aus Dankbarkeit
Alltäglich neue Blumen streut.
Und wenn im Himmel Rosen blühn,
Sie können doch nicht schöner blühn


Robert Reinick
 


 Das traurige Röslein

Ein Röslein war gar nicht munter,
weil es im Topfe stand,
Sah immer traurig hinunter
Auf die Blumen im freien Land.

Die Blumen nicken und winken:
»Wie ist es im Freien so schön,
Zu tanzen und Tau zu trinken
Bei lustigem Windeswehn.

Von bunten Schmetterlingen
Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;
Dazwischen der Vöglein Singen
Anmutig zu hören ist.

Wir preisen dich und loben
Dich, fröhliche Sommerzeit;
Ach, Röslein am Fenster droben,
Du tust uns auch gar zu leid.

Da ist ins Land gekommen
Der Winter mit seiner Not.
In Schnee und Frost verklommen,
Die Blumen sind alle tot.

Ein Mägdlein hört es stürmen,
Macht fest das Fenster zu.
Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,
Du liebes Röslein du.


Wilhelm Busch
 


 Zwei rote Rosen

Zwei rote Rosen, ein zarter Kuß,
Das ist doch immer der schönste Gruß.
Man schickt sich Blumen schon am frühen Morgen,
Das Küssen kannst du bei Nacht besorgen.

Zwei rote Rosen, ein zarter Kuß,
Ist für die Frauen der schönste Gruß.
Das ist der Anfang, das ist der Schluß.
Zwei rote Rosen, ein zarter Kuß.


Walter Kollo
 


 Weisse Rose

Weisse Rose, weisse Rose -
Träumerisch - Neigst du das Haupt.

Weisse Rose, weisse Rose -
Balde - Bist du entlaubt.

Weisse Rose, weisse Rose -
Dunkel - Drohet der Sturm.

Im Herzen heimlich -
Heimlich - Naget der Wurm.


Heinrich Seidel
 


 Rosengärten

Oh, wer um alle Rosen wüsste,
die rings in stillen Gärten stehn -
Oh, wer um alle wüsste, müsste
wie im Rausch durchs Leben gehen.

Du brichst hinein mit rauen Sinnen,
als wie ein Wind in einen Wald -
und wie ein Duft wehst du von hinnen,
dir selbst verwandelte Gestalt.

Oh, wer um alle Rosen wüsste,
die rings in stillen Gärten stehn -
Oh, wer um alle wüsste, müsste
wie im Rausch durchs Leben gehen.


Christian Morgenstern
 


  Schön ist die Rose....

Schön ist die Rose, schöner scheint sie noch
Durch jenen süßen Duft, der in ihr lebt.
Wildrosen haben gleicher Farben Glut,
Die gleichen Dornen wie die duft'gen Rosen,
Sie spielen mit dem gleichen Übermut,
Wenn Winde sie enthüllen und umkosen.

Doch ihre Tugend ist nur ihr Gesicht,
Sie leben ungeliebt, verblühn am Strauch
Und sterben zwecklos - das tun Rosen nicht,
Aus ihrem süßen Tod strömt süßer Hauch.
So, schöner Liebling, wenn die Jugend flieht,
Strömt deiner Treue Duft aus meinem Lied.


William Shakespeare
 


  Zauber der Rose

Entfalte Dich Du schönste aller Rosen,
benetzt vom Morgen Tau.
Wird Dich die Wärme gleich umfassen,
auf Deinem Blätterkleid die Strahlen,
lässt Wunder neu geschehen,
lass Deinen Blütenzauber sehen.

Entfalte Dich Du schönste aller Rosen,
vom Duft umnebelter Rosenstrauch.
Lass rote Rosen sprießen,
es ist Sommer du herrlicher Liebeshauch.


Margarete Nottebrock
 


  Die Nachtigall und die Rose

Im tief verstummten Park,
in warmer Frühlingsnacht
Vor ihrer Rose süß
die Nachtigall erwacht:

Die liebe Rose doch,
nicht fühlt sie und nicht dankt sie,
Das Liebeslied verhallt,
verschlafen nickt und schwankt sie.

Singst du nicht ebenso
der kalten Schönen zu?
Komm zur Vernunft,
Poet, wohin nur irrtest du?

Sie hat den Dichter
nicht gefühlt noch wahrgenommen;
Schau nur - sie blüht;
doch sprich - nie wird dir Antwort kommen.


Alexander Puschkin
 


 Die wilde Rose

Da droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen,
in heißer Sehnsucht erglüht.

Zu ihr über Felsen und Klüfte
ein kühner Jäger klimmt
Schon ist er in nächster Nähe-
Das Auge in Tränen ihm schwimmt.

Er will sie erfassen und pflücken
da strauchelt jäh sein Fuß,
des Abgrunds finstere Tiefe
Empfängt ihn mit kaltem Kuß.

Dort droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen
in heißer Sehnsucht erglüht.


Louise Aston
 


  Ein Rosenblatt

Als jüngst der Bach im Morgenglanze
den ersten Kuss der Rose gab,
da sank aus ihrem Blütenkranze
in seine Flut ein Blatt hinab.

Dies trägt er nun auf seinen Wellen
durch Wald und Flur um süssem Weh'
und wahrt es selbst an öden Stellen,
bis es verrauscht im tiefen See.

Wenn auch im bunten Weltgetriebe
schon unsre letzte Freude schwand, das
Rosenblatt der ersten Liebe,
umschwebt uns bis zum Grabesrand.


Vincenz Zusner
 


 Die Knospe der Rose

Von der üppigen, grünen Blätter
Schattgem Netze dicht umwoben,
Wagt den Kelch nicht zu entfalten,
Knospe noch, die zarte Rose.

Und sie reift das Gold der Düfte
In des Kelches tiefem Borne,
Reift der Reize stille Mächte
In dem Innersten verborgen.

Rose, Rose! bald entschwellen
Muß die Kron der vollen Knospe,
Steigen bald das Gold der Düfte
Aus des dunklen Kerkers Wohnung.

Purpurglühend wird erstrahlen
Die, der Sehnenden, Aurora,
Ihr dein Kelch entgegen glühen
Von der Blätter grünem Throne.

Selig, selig, wem erblühet
Dann die lang verschlossne Krone,
Daß er trinke Gold der Düfte
Aus dem reichen Kelch der Wonnen!


Johann Adelbert von Chamisso
 


 An die Rose

Ewig trägt im Mutterschoße,
Süße Königin der Flur!
Dich und mich die stille, große,
Allbelebende Natur;

Röschen! unser Schmuck veraltet,
Stürm entblättern dich und mich,
Doch der ewge Kern entfaltet
Bald zu neuer Blüte sich.


Friedrich Hölderlin
 


  Du Rose süßer Duft

Himmlischer Morgengruß,
die Röte steigt mir ins Gesicht,
ein Jüngling mir die Rose schickt.

Berauscht sind meine Sinne,
berauscht vom Rosenduft,
so kann der Tag beginnen,
ein süßer Morgengruß.


Margarete Nottebrock
 


  Ursprung der Rose

Den Rosenzweig benagt
ein Lämmchen auf der Weide,
es tuts nur sich zur Lust,
es tuts nicht ihm zuleide.

Dafür hat Rosendorn
dem Lämmchen abgezwackt
ein Flöckchen Wolle nur;
es ward davon nicht nackt.

Das Flöckchen hielt den Dorn
in scharfen Fingern fest;
da kam die Nachtigall
und wollte baun ihr Nest.

Sie sprach: "Tu auf die Hand
und gib das Flöckchen mir,
und ist mein Nest gebaut,
sing ich zum Danke dir."

Er gab, sie nahm und baut,
und als sie nun gesungen,
da ist am Rosendorn
vor Lust die Ros entsprungen!

Friedrich Rückert
 


 Rosengruß

Heimlich durch's Fenster kam er geflogen,
Schüchterner Liebe duftiger Gruß -
Sieht sich der hoffende Werber betrogen?
Sinnende Maid, warum zögert Dein Fuß?

Durch des Gemaches verschwiegene Räume
Fluthet der Rosen bestrickender Hauch,
Wiegt Dich in süße, berauschende Träume,
Wecket den Frühling im Herzen dir auch.

Bald zu den Lippen wirst Du sie heben,
Rosen zu Rosen - blühende Zeit! -
Aber noch zagst Du mit innerem Beben -
Ahnst Du die Dornen? Ahnst Du das Leid?


Ernst Scherenberg
 


  Röslein, gern seh ich Dich

Röselein, gern seh' ich dich!
Bleib' so still und lieb und rein:
Bleib so ewig jung und mein!

Röslein mein, o denk' an mich!
Purpurrot und grün Dein Stiel:
Geist und Anmut hat sie viel!

Röslein, Dich, Dich liebe ich!
Zart drück' ich dich an den Mund:
Nehme Abschied, bleib' gesund!

Blättlein klein, o bleibet frisch,
Ihres Zweige dunkelgrün:
Ach, ich muß von dannen zieh'n!

Röslein, nein, es war nur Scherz:
Ewig, ewig bleib' ich Dein!
Ewig bleibst Du lieb und fein!

Röselein, o grüß' Dich Gott,
Schön und frisch und mein Du bist:
Voll mein Herz vor Freuden ist!


Friederike Kempner
 


 An die Entfernte

Diese Rose pflückt ich hier,
In der fremden Ferne;
Liebes Mädchen, dir, ach dir
Brächt ich sie so gerne !

Doch bis ich zu dir mag ziehn
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin,
Denn die Rosen eilen.

Nie soll weiter sich ins Land
Lieb von Liebe wagen,
Als sich blühend in der Hand
Läßt die Rose tragen.


Nikolaus Lenau
 






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